Deutschland im Fett
2003/2004
Obwohl in diesem Jahr, hierin unserem langjährigen Rhythmus folgend, eigentlich die Bearbeitung einer
Stückvorlage wieder angestanden hätte, haben wir uns, aus aktuellem Anlass, aber um es auch einmal anders zu machen, für eine neue, weitere Eigenproduktion mit dem Titel "Deutschland im Fett" entschieden. In diesem Jahr feiern wir das 50. Jubiläumsjahr des erstmaligen Gewinns einer Fußballweltmeisterschaft durch die damals noch junge BRD. Ein Anlass dankbar Rück- und Ausschau danach zu halten, was seitdem geschehen ist bzw. noch geschehen könnte. Die Textzusammenstellung mag auf den ersten und zweiten Blick merkwürdig erscheinen, was haben historische Texte aus den Anfängen des deutschen Fußballs, debile Fußballerzitate, Gedichte von Heinz Erhardt, eine Bildergeschichte von Wilhelm Busch, blumenreich – sorgenvolle Zitate eines ehemaligen Bundespräsidenten und derzeitigen Kommissionsvorsitzenden sowie Märchen der Gebrüder Grimm gemeinsam? Wir meinen: ihre fette Aktualität, die womöglich erst auf den dritten Blick plausibel wird. Wenn schon durch Deutschland ein „Ruck“ gehen soll, dann interessiert uns doch u. a. auch, wer bei diesem Tauziehen womöglich auf die Nase fällt. Da wir uns in Deutschland befinden, ist das immer die große Masse, denn bei der ist am leichtesten das große Geld zu holen. Es hat in Deutschland eine lange Tradition – vielleicht unterbrochen durch ein paar „dekadente“ Jahrzehnte Nachkriegsgeschichte, dass noch immer die den Gürtel enger schnallensollten, bei denen er schon im letzten Loch steckt, während die Speckbäuche ihre Waagen nicht einmal mehr dezent aus den Fenstern schmeißen, um an Gewicht in „Notzeiten“ noch zuzulegen. "Deutschland im Fett" war für uns in vielerlei Hinsicht eine Herausforderung. Der technische Aufwand war enorm, durch das neue Traversensystem können wir nun erstmals eine eigenen, abgeschlossenen Bühnenraum gestalten. Die Laufstegbühne war für unsere Technik ihr Meisterstück. Auch die Videoproduktion mit zwei Beamern, die eine Art Stadionatmosphäre erzeugen sollte, war ein Novum. Mit "Deutschland im Fett" haben wir uns an ein für uns neues Genre gewagt, eine Art "Kabaretttheater", das uns als besonders geeignet erschien, auch politsch arbeiten zu können. Das "Theater der Jugend" in Berlin nahm uns mal wieder in seine Endausscheidung, ließ uns dann aber doch wieder fallen, dafür waren die beiden Korbacher Aufführungen ein desto größerer Erfolg. Selten war für Wilfried und mich die Arbeit angenehmer, die Gruppe zeigte ein großes Zusammengehörigkeitsgefühl, eigenständiges Engagement Kompetenz und viel Spielfreude.

DANKE!