2024 / 2025
Der gute Mensch ...nach dem vom Brecht
Der gute Mensch ...nach dem vom Brecht
Die Parabel vom guten Menschen
Es war einmal ein guter Mensch, der freute sich seines Lebens. Da kam eine Mücke geflogen und setzte sich auf seine Hand, um von seinem Blut zu trinken. Der gute Mensch sah es und wusste, daß sie trinken wollte; da dachte er: „Die arme kleine Mücke soll sich einmal satt trinken“, und störte sie nicht. Da stach ihn die Mücke, trank sich satt und flog voller Dankbarkeit davon. Sie war so froh, daß sie es allen Mücken erzählte, wie gut der Mensch gewesen wäre, und wie gut sein Blut geschmeckt hätte. Da wurde der Himmel schwarz von Mücken, die alle den guten Menschen sehen und sein gutes Blut trinken wollten. Und sie stachen und stachen ihn und tranken und tranken, und wurden nicht einmal satt, weil es ihrer zu viele waren. Der gute Mensch aber starb.
Kurt Schwitters
„Der gute Mensch nach dem vom Brecht“, das Abschiedsstück des rohestheater, wenn es nach Kurt Schwitters geht, und der spiegelt Bertolt Brechts „Guten Menschen von Sezuan“ in wunderbarer Knappheit, dann ist „Gutsein“ für den Menschen nicht möglich, da die „Verhältnisse“ nie – und im Kapitalismus wohl gar nicht – so sind, dass man teilend überleben kann. Hmmm – was denken Sie und was denkt Ihr? Gibt es also keine guten Menschen, weil die nicht überleben? Entspricht das tatsächlich unserer Erfahrung?
Dass wir uns für Brechts „Guten Menschen“ und nicht, wie oft, für eine Eigenproduktion entschieden haben, wurde von Patrick „verschuldet“, der sich dieses Stück gewünscht hatte. Neben Bertolt Brecht spielte Georg Büchner im rohestheater auch eine entscheidende Rolle. Sein literaturästhetisches Programm, das er Lenz in der gleichnamigen Erzählung „Lenz“ sprechen lässt, könnte auch das Programm des rohestheaters in all den Jahren gewesen sein:
„Man muß die Menschheit lieben, um in das eigentümliche Wesen jedes einzudringen; es darf einem keiner zu gering, keiner zu häßlich sein, erst dann kann man sie verstehen; das unbedeutendste Gesicht macht einen tieferen Eindruck als die bloße Empfindung des Schönen, und man kann die Gestalten aus sich heraustreten lassen, ohne etwas vom Äußern hineinzukopieren…“
Dem haben wir in all den Jahren gegenüber den Teilnehmern des rohestheater versucht nachzukommen. Es gab kein Casting, wer mitmachen wollte, konnte das – wenn er oder sie zuverlässig war – gerne tun. Daher haben dann auch immer Jugendliche anderer Schulen die Möglichkeit gehabt, beim rohestheater mitzumachen.
Der Wunsch, sich mit Brechts „Gutem Menschen“ zum Abschluss zu beschäftigen, passt da natürlich hinein. Die Frage wer oder was der Mensch ist, eine Frage, die auch die Arbeit des rohestheaters all die Jahre immer wieder wesentlich bestimmt hat, bildet von daher einen guten Abschluss.
Was aber wollen wir zeigen und wie es dann inszenieren? Die Brecht’sche Geschichte nur „nachspielen“, unabhängig von unseren Fragen zur Aktualität und dem, was wir mit dem Stück verbinden wollen, kommt für uns erfahrungsgemäß nicht in Frage und doch soll der Gehalt seines guten Menschen von Sezuan durchaus erhalten bleiben, eine Gradwanderung.
Eckhard Debour
Schauspiel: Alberto Santos da Silva, Ben Dörfler, Clara Rosseck, Elif YalÇin, Emily Hammer, Fabian Hecker, Fritz Kruse, Janet Raiwe, Jola Zoworka, Katja Weber (Co-Regie), Kerstin Scholz, Lena Kalawrytinos, Leon Schönfeld, Lukas Reiners, Maarten Diepers, Mandy Wu, Marta Dragan, Martha Lenzen, Mateo Carreno Silva, Micha Schuldt, Michael Vonderbank, Nathan Tjakraatmadja, Patrick Achtelik, Sebastian Thomas, Tymofii Misanov
Fotos/Video/Plakat: Wilfried Schumacher und Ulrike Gutmann
Kostüm: Ulrike Gutmann und Andrea Kafka
Programmheft: Patrick Bettendorff, Bachmann Design & IT und Eckhard Debour
Organisation und Script: Katja Weber
Regie und Dramaturgie: Eckhard Debour
Co-Regie: Patrick Achtelik, Nils Kaletsch, Michael Schuldt, Michael Vonderbank, Jola Zoworka
Technik: Nicolas Altepost, David Bonk, Florian Büttgen, Johannes Dittrich, Andreas Fritzsche, David Heeren, Bréanaínn Herff, Lionel Koppert, Jakob Kreuer, Lukas Lohmar, Nils Maier, Max Maucher, Marco Meuser, Dustyn Rieger, Tim Wallendahl, Daniel Windeck
Bühne: Alexander Forbrig und Wilfried Schumacher
Maske: Ulrike Gutmann und Mia Hutzenlaub
Musik: Bertolt Brecht und Kurt Weill, „Denn wovon lebt der Mensch“ und „Das Lied von der Unzulänglichkeit des Menschen“ aus der Dreigroschenoper, Bertolt Brecht und Ernst Busch, „Die Ballade der „Hannah Cash“; „Imagine“ von John Lennon
Wir danken: den Eltern der Schüler*innen, der Schulleitung Guido Gehre und Kathrin Kersting der Mies-van-der-Rohe Schule, Ute Dreser, Anna Hinz und Wilfried Schumacher für das Plakat und der LAG Arbeit-Bildung-Kultur NRW e.V.